Verschiedene Formen von Autismus

Mittlerweile sprechen wir vom Autismus-Spektrum, dieses beinhaltet alle Autist*innen. Früher gab es verschiedene Unterkategorien, diese sind aber überholt, da sich Autist*innen zu sehr voneinander unterscheiden. Viele können nicht in die alten Kategorien eingeteilt werden und das muss man jetzt auch nicht mehr machen.

 

Autismus ist ein Spektrum. Jede Person auf dieser Welt zeigt einige Merkmale, die auch bei Autismus vorkommen. Niemand hat keine Symptome und niemand hat alle. Jeder Mensch liegt irgendwo in diesem Spektrum. Wenn eine Person eine bestimmte Anzahl und Ausprägung an Merkmalen aufweist, wird das Autismus-Spektrum diagnostiziert. Im ICD-11, dem internationalen Verzeichnis für Krankheiten, hat das Autismus-Spektrum die Kennzahl 6A02. Seitdem es das ICD-11 gibt, wird nicht mehr zwischen verschiedenen Formen des Autismus unterschieden, sondern alle Autist*innen bekommen die Diagnose Autismus-Spektrum. Das ist wichtig zu wissen. Einige Ärzt*innen diagnostizieren noch nach dem ICD-10, das ist noch gültig, wird aber nach und nach vom neuen ICD-11 abgelöst. Ich diagnostiziere mittlerweile nach ICD-11. Autismus lässt sich damit auch leichter diagnostizieren. Es gibt nicht mehr Autist*innen, sondern es ist einfacher, eine Person ins Autismus-Spektrum einzuordnen, als zwischen verschiedenen Formen zu unterscheiden, die aber vielleicht alle nicht so ganz passen. Da eben viele Autist*innen nicht in die alten Formen gepasst haben, wurden sie im ICD-11 zusammengefasst. Ich finde das eine sehr gute Entwicklung.

 

Gibt es eine leichte Form von Autismus?

Nein! Autismus ist ein Spektrum. Ich höre oft das Argument, dass ein Kind, das nicht spricht und in seiner eigenen Welt lebt, doch viel stärker betroffen sei als jemand, der eine Ausbildung und einen Job hat. Die Teilhabe am Alltag und in der Gesellschaft ist eine andere, das stimmt. Aber bei Autist*innen, die stark maskieren, fällt es nicht auf, dass sie ebenfalls stark leiden, sich immer verstellen müssen und am Abend keine Energie mehr haben. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, welche Reaktion angemessen ist und wie viel sie fragen oder von sich erzählen können. Es ist eine ständige Anpassung an das Gegenüber. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Chamäleon, das sich auch immer wieder an seine Umgebung anpasst und die Farbe ändert. Autist*innen ändern nicht die Farbe, aber ihre Meinung, ihr Verhalten und teilweise auch ihren Sprachstil, die Tonlage oder den Dialekt – je nachdem, mit wem sie sich gerade unterhalten. Das ist extrem anstrengend und kostet sehr viel Energie.

 

Nur weil Außenstehende das nicht sehen können, heißt es nicht, dass der Autismus nur „leicht“ ausgeprägt ist. Die Menschen sind im Autismus-Spektrum und das hat einen Grund.

 

Es gibt also keine leichte oder starke Form von Autismus, es ist alles Autismus. Die Wahrnehmung und Reizverarbeitung funktionieren anders und deshalb ist das Leben sehr anstrengend, egal welche Fähigkeiten eine Person hat oder nicht.

 

AuDHS

Wenn Autismus mit ADHS kombiniert ist (AuDHS), dann kann es sein, dass die autistischen Merkmale nicht so auffällig sind, weil sie durch ADHS-Merkmale überdeckt werden, bzw. die beiden widersprechen sich und verdecken oft das andere. Es gibt Phasen, in denen ist Autismus stärker sichtbar und in anderen das ADHS, aber es kann auch sein, dass die beiden die meiste Zeit gegeneinander arbeiten und das Leben der Betroffenen sehr erschweren. AuDHS kann man sich so vorstellen: Ich bin völlig ko, liege am Sofa und möchte mich ausruhen, weil ich keine Energie mehr habe, aber mein Hirn produziert 37 neue Projektideen, die ich am liebsten alle sofort umsetzen würde.

 

Oder ich weiß, dass ich eine Pause brauche, weil ich nicht mehr kann, aber mein ADHS will raus gehen und etwas erleben.

 

Ich bin krank und sollte mich ausruhen. Nach 5 Minuten liegen ist mir aber so langweilig, dass ich mich zum PC setze und ein neues Projekt starte und in Rekordzeit viel schaffe, weil ich ja gerade sowieso nichts Besseres zu tun habe.

 

 

 

Entspannen und ausruhen fällt vielen Menschen mit AuDHS besonders schwer, obwohl sie es dringend bräuchten. Das ist ein bisschen schwierig.

 

 

 

Jede*r Autist*in, ADHSler*in oder AuDHSler*in ist individuell und es gibt keine leichte oder schwere Ausprägung, denn jede*r ist anders und das ist gut so. So machen wir unsere Welt bunter und lebhafter. Ich freue mich, dass auch du ein Teil unserer Welt bist! 😊

 

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